Fiat baut still und heimlich das kleinste Auto von 2028

Fiat baut still und heimlich das kleinste Auto von 2028
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Dmitry Yakin
Autor: Dmitry Yakin

Vergesst Quattrolino. Fiat hat den Namen bestätigt, und er zitiert direkt den 600 Multipla von 1956 — mit 90 km/h, vier Sitzen und L7e-Zulassung.

Fiat gibt endlich zu, wie das neue Stadt-EV heißen wird. Vergesst den Arbeitstitel Quattrolino — das Modell kommt als Multiplina. Und die Anspielung könnte kaum deutlicher sein: der Fiat 600 Multipla der 1950er, seltsam, nützlich und sehr italienisch. Kleine Karosserie, große Idee. Manchmal gelingt das Fiat immer noch besser als denen, die aus jedem Stück Plastik „Premium“ pressen wollen.

Der Multiplina geht nicht den Weg des leichten Quadrizykels L6e wie der Topolino. Er steigt in L7e auf, die schwere Kategorie. Und der Unterschied zählt. Der Topolino ist auf 45 km/h eingesperrt und für zwei gebaut. Der Multiplina wird 90 km/h schaffen und vier Personen mitnehmen. Das ist keine Elektrokapsel mehr für den Uferweg und die kurze Fahrt zum Kaffee. Das ist die fehlende Stufe zwischen Mikroauto und normalem A-Segment.

Marktstart — 2028. Preislich soll sich der Multiplina zwischen dem Topolino für 9990 Euro und Fiats kommendem Stadt-EV bei rund 15 000 Euro einordnen. Realistisch landet er bei etwa 13 000 Euro, wo sein Hauptrivale schon einen Namen hat: der Dacia Hipster.

Fiat Topolino Dolcevita
© fiat.co.uk

Auf der Rom-Veranstaltung zeigte Fiat den Multiplina als Konzept und krempelte den Topolino gleich mit um. Neu sind eine offene Dolcevita-Karosserie, eine Sport-Version und die New Vilebrequin Collector’s Edition. Der Sport ist vom Nuova 500 Sport von 1958 inspiriert: vier neue Farben, Zierstreifen, schwarze Sitze und Interieurelemente mit Vinyl in Carbon-Optik. Das Carbon ist natürlich figurativ gemeint. Bei einer Maschine, die bei 45 km/h abgeriegelt ist, hängt die ganze Idee von „Sport“ nicht an Zahlen, sondern am Grinsen des Besitzers.

Dazu gibt es ein Markenzeichen-Detail — die Monsterlino Bluetooth-Lautsprecher von Monster, magnetisch am Auto befestigt und bei jedem Sport im Preis inbegriffen. Sieht aus wie ein Spielzeug. Aber für den Topolino ist diese Kleinigkeit vermutlich wichtiger als die zehntel Sekunde, die niemand misst. Fiat verkauft keine Leistung. Fiat verkauft ein Szenario: Strand, Altstadt, Ferienmeile, kurze Fahrt ohne ernstes Gespräch über Reichweite und Ladezeiten.

Daneben zeigte Fiat den TRIS Dolcevita Concept — ein dreirädriges Personen-EV im vollen Urlaubsmodus. Ob es in Serie geht, ist noch offen. Aber die Absicht ist klar: ein modularer Mikromobilitäts-Baukasten, verkauft an Betriebe, Ferienzonen, Lieferdienste und Privatkunden. Nicht ein Auto. Ein kleines Ökosystem.

Fiat-Chef Olivier François formulierte es so: „Fiat hat Mikromobilität geprägt, lange bevor es das Wort überhaupt gab. Unsere Mission war immer dieselbe: Mobilität einfacher, klüger und zugänglicher zu machen. Heute bauen wir mit Topolino, TRIS und unserer Vision für die Zukunft — Multiplina — auf unserem Erbe auf und schaffen ein komplettes Ökosystem für die Städte von morgen: fröhlich, erfinderisch, nachhaltig und unverkennbar Fiat.“

Für Europa ist die Logik offensichtlich. Große Städte drücken auf Parkraum, Verbote und Preise, während normale Elektroautos nie wirklich günstig geworden sind. Als Marktsignal ist der Multiplina spannend. Fiat versucht nicht, noch einen Crossover zu bauen. Fiat wühlt wieder in kleinen Autos herum — dem Terrain, wo die Marke historisch Hände, Kopf und ein bisschen Wahnsinn hatte.

Der Multiplina könnte der ehrlichste Fiat der letzten Jahre werden: klein, seltsam, urban — und ohne den Versuch, größer zu wirken, als er ist.

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