Alpine hat früh die Karten auf den Tisch gelegt — und sich damit womöglich selbst überrascht. Das große Prototypen-Debüt wurde erst beim Festival of Speed in Goodwood erwartet, doch die Franzosen zeigten den neuen A110 Future schon vorher. Von außen ist es fast derselbe flache, kompakte A110. Und genau da steckt der Konflikt: Das Berlinetta-Bild bleibt unangetastet, die gesamte Technik dagegen wurde komplett neu geschrieben.
Die Karosserie ist bereits erstaunlich nah an der Serie. Die Proportionen stimmen, doch sehen Sie genauer hin: neue Frontscheinwerfer, zusätzliche X-förmige Elemente näher zur Mitte, ein festes dreieckiges Fenster in der hinteren Säule. Hinten verstecken sich die Änderungen noch — und der erste Blick täuscht leicht. Das ist kein Facelift des auslaufenden Modells. Das ist die dritte Generation.
Doch das Entscheidende liegt nicht außen. Es ist die neue Alpine Performance Platform. Boden, Chassisstruktur und Fahrwerk bestehen komplett aus Aluminium, und das Leergewicht soll unter 1500 kg bleiben. Für einen elektrischen Sportwagen ist das keine Zeile aus dem Pressetext, sondern eine Überlebensfrage: Wird der A110 schwer, verliert er genau das, wofür man ihn neben Porsche 718 und Toyota GR Supra stellte. Nicht die Leistung. Die Leichtigkeit der Reaktionen.
Die hintere Elektroachse folgt einem „3-in-1“-Prinzip: zwei Elektromotoren plus ein Siliziumkarbid-Inverter, der den Strom schneller leitet und weniger Wärme verliert. Die Batterie wurde bewusst in zwei Teile geteilt, um die Gewichtsverteilung von 40:60 zugunsten der Hinterachse zurückzuholen. Der Hinweis ist mehr als deutlich: Alpine will nicht einfach ein schnelles Elektroauto in schöner Hülle bauen. Alpine will den Charakter eines Sportwagens bewahren.
Und hier ist das Detail, das am meisten verrät. Die APP-Plattform ist theoretisch bereit, einen Verbrenner zurückzunehmen — falls der Markt umdenkt oder sich die Regeln ändern. Alpine geht elektrisch, lässt sich aber eine technische Hintertür offen. Weniger Dogma, mehr Absicherung.
Bleibt nur, nicht aus der eigenen Nische zu fallen. In Europa kostet der aktuelle A110 ab 69.359 Euro — rund 79.000 Dollar. Der Porsche 718 wiederum ist zum Ende seiner Laufbahn auf zwei knallharte Versionen geschrumpft, den Spyder RS und den Cayman GT4 RS, und beide starten bei 158.700 Euro, also etwa 181.000 Dollar. Genau deshalb reicht es dem künftigen A110 nicht, einfach elektrisch zu werden. Er muss er selbst bleiben: kompakt, leicht, emotional — und deutlich günstiger als die großen Premium-Maschinen.