Dieser Shelby von 1970 spaltet die Fans — und ist seltener, als viele denken

Dieser Shelby von 1970 spaltet die Fans — und ist seltener, als viele denken
скриншот Nate's Classic Cars
Dmitry Yakin
Autor: Dmitry Yakin

Ford wurde die Wagen nicht los und gab übrig gebliebenen 1969ern unter Bundesaufsicht frische 1970er-VINs. Das Ergebnis ist einer der seltensten Shelbys überhaupt — und einer der umstrittensten. Warum dieser Black-Jade-GT500 zählt.

Für die einen ist er der letzte echte Shelby. Für die anderen ein teurer Mustang Mach 1, dem man einfach nur die Embleme aufgeklebt hat. Die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo dazwischen — und genau deshalb spaltet der Shelby Mustang GT500 von 1970 die Fans bis heute in zwei Lager. Er ist das Finale der ursprünglichen Shelby-Ära: ein extrem seltener Fastback mit großem V8 und einer Ausstattungsliste, die heute fast unglaublich wirkt. Und zugleich ein Auto, das die Puristen hartnäckig nicht als „ihres“ anerkennen wollen.

Und das hat alles damit zu tun, wie diese Autos überhaupt entstanden sind. Die Produktion der überarbeiteten Shelby-Modelle wurde nach dem Modelljahr 1969 praktisch eingestellt — doch unverkaufte Exemplare blieben in den Lagern stehen. Um sie ohne Verlust loszuwerden, versah Ford unter Bundesaufsicht einen Teil der Wagen mit frischen 1970er-VINs und ergänzte ein paar äußere Details: dicke schwarze Streifen auf der Haube und einen auffälligen schwarzen Frontspoiler. So entstanden die letzten Shelbys jener Ära — im Grunde Restbestände, die einen zweiten Ausweis bekamen.

Ford Shelby Mustang GT500
Screenshot Nate's Classic Cars

Dieser konkrete GT500 trägt ein tiefes, dunkles Black Jade, ergänzt durch einen weißen Vinylinnenraum und weiße Seitenstreifen. Die Restaurierung hob ihn bis auf das Niveau Concours Gold — doch das eigentlich Spannende ist hier nicht der Glanz der Karosserie. Viel wichtiger ist die Ausstattung. Man stelle sich das vor: Ab Werk bekam der Wagen eine Klimaanlage, eine verstellbare Lenksäule, Intervallscheibenwischer, ein AM/FM-Radio, eine umklappbare Rücksitzlehne und — das Seltenste bei einem solchen Mustang — einen werksseitigen Tempomat. Wahrlich kein typisches Paket für einen brachialen Muscle Car.

Unter der langen Kunststoffhaube sitzt der originale 428 Cobra Jet V8 mit 7,0 Litern Hubraum. Auf dem Papier: 335 PS und 597 Nm — wobei jeder weiß, dass Ford solche Motoren traditionell zu niedrig angab und die tatsächliche Leistung spürbar höher lag. Dazu kommt eine verstärkte Dreigang-Automatik C6. Das ist nicht mehr der leichte, auf die Rennstrecke getrimmte Shelby der mittleren 1960er. Das ist ein großer, schwerer und wirklich schneller Gran Turismo, gebaut für den kräftigen Antritt und die lange Strecke. Und er hat eine bemerkenswert verwickelte Produktionsgeschichte.

Zuerst lief die Karosserie bei Ford in Dearborn vom Band. Dann ging sie zum A.O.-Smith-Werk in Livonia, wo sie Kunststoffkotflügel, eine Haube mit fünf funktionsfähigen NACA-Lufteinlässen, spezielle Scheinwerfergehäuse und eine Frontpartie erhielt. Erst danach gelangte der Wagen zum Car-Kraft-Werk, wo er endgültig zum 1970er-Modell gemacht wurde. Drei Werke für ein einziges Auto — diesen Weg ging kein anderer Shelby.

Ford Shelby Mustang GT500
Screenshot Nate's Classic Cars

Bei ebenjenem Car Kraft wurde übrigens auch der legendäre Boss 429 Mustang gebaut — unser GT500 hält also mehr als anständige Gesellschaft. Insgesamt liefen in den Jahren 1969 und 1970 3153 Shelby Mustang vom Band. Auf den GT500 entfielen davon 1872 Wagen — doch gerade die 1970er-Version sticht durch ihre Seltenheit heraus: nur 380 Fastbacks und 90 Cabrios. Streiten Sie also über die „Echtheit“, so viel Sie wollen — dem Sammlerwert nimmt das kein Gramm.

Dieser GT500 zeigt perfekt, wie der Shelby Mustang am Ende seiner Ära den Charakter wechselte. Weniger Rennstreckenzorn — mehr Gewicht, Komfort und teure Optionen. Und doch lässt der Sieben-Liter-Cobra-Jet unter der Haube die Hauptsache nicht vergessen: Das ist nicht bloß ein hübscher Mustang aus der letzten Serie. Das ist das Ende einer ganzen Ära — und wohl eines ihrer am meisten unterschätzten Finale.

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