Eine tote italienische Marke ist zurück auf der Straße, und Sentimentalität hat damit wenig zu tun

Eine tote italienische Marke ist zurück auf der Straße, und Sentimentalität hat damit wenig zu tun
A. Krivonosov
Dmitry Yakin
Autor: Dmitry Yakin

Ein getarnter Fiat Pandina mit Autobianchi-Schriftzug wurde gesichtet — ein italienisches Markengesetz könnte erklären, warum Fiat genau jetzt handeln musste.

Dreißig Jahre Stille – und plötzlich ist der Name wieder auf italienischen Straßen zu lesen. Autobianchi, eine 1995 eingestellte Marke, meldet sich unerwartet zurück: Ein schwer getarnter Fiat Pandina wurde gesichtet, auf dessen Hintür deutlich der Schriftzug „Tributo Autobianchi“ zu erkennen war. Offiziell schweigt Fiat, daher bleiben Debut-Termin, Preis und selbst der endgültige Modellname reine Spekulation.

Der Karosserie nach zu urteilen, dient die Topversion Pandina Cross als Basis: Kunststoffbeplankung, Schutzverkleidung an den Stößstangen, 15-Zoll-Räder. Unter der Haube nichts Revolutionäres – erwartet wird der bekannte Hybridantrieb: ein Dreizylinder-Benziner mit 1,0 Liter Hubraum und 65 PS, kombiniert mit einem manuellen Sechsganggetriebe – exakt wie beim regären Pandina.

Technische Änderungen hat Fiat nicht bestätigt, und die Tarnung verbirgt die Details zuverlässig. Die Fotos lassen nur Vermutungen zu – besondere Ausstattung, historische Embleme, ein verändertes Dach. Gerüchte über ein Faltverdeck aus Stoff, Chromzierrat und ein samtbezogenes Interieur im Stil alter Autobianchi-Modelle bleiben bislang genau das: Gerüchte. Doch hinter der ganzen Nostalgie könnte ein deutlich weniger romantisches Motiv stecken.

Autobianchi wurde 1955 als Gemeinschaftsunternehmen von Bianchi, Fiat und Pirelli gegründet, brachte die legendären Modelle A112 und Y10 hervor und wurde 1995 eingestellt, als die Produktion im Werk Desio endete. Seitdem gehört der Name formal Fiat. Doch im Dezember 2023 verabschiedete das italienische Parlament ein Gesetz: Wird eine historische Marke nicht fünf Jahre lang ununterbrochen in der realen Produktion genutzt, kann der Staat sich die Rechte daran sichern. Und das ist keine leere Drohung.

2024 wurde bekannt, dass italienische Behörden ernsthaft erwägten, brachliegende Marken wie Autobianchi und Innocenti von Stellantis einzuziehen – das Industrieministerium soll sogar eigene Versionen beider Logos registriert haben. Eine Theorie: Die Namen sollten chinesischen Autoherstellern übergeben werden, im Austausch für eine Produktionsansiedlung auf italienischem Boden. Stellantis wurde offenbar nicht einmal informiert. Der Tributo Autobianchi wirkt daher weniger wie eine nostalgische Hommage als wie ein juristischer Schachzug: ein historisches Emblem auf ein Auto setzen und die Fünf-Jahres-Uhr genau rechtzeitig zurücksetzen.

Der Pandina selbst geht derweil nirgendwohin: Fiat hat die Produktion in Pomigliano d’Arco mindestens bis 2027 bestätigt. Der Tributo Autobianchi scheint also gleich zwei Dinge zu leisten – das Interesse an einem alternden Stadtwagen kurz vor Lebensende anzuheizen und den Namen Autobianchi aus fremden Händen herauszuhalten. Von einer echten Markenwiederbelebung kann bislang keine Rede sein.

Zuvor berichtete Tarantas.news, dass der Fiat 600 seinen Basis-Hybrid verlor und teurer wurde.

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