Maserati könnte vor einer der ungewöhnlichsten Wendungen seiner jüngeren Geschichte stehen: Das italienische Design bleibt womöglich, während ein großer Teil der Technik aus China kommt. Reuters berichtete unter Berufung auf zwei Quellen, dass Stellantis über eine langfristige Zusammenarbeit mit Huawei und JAC spricht. Milano Finanza schreibt zugleich, dass die meisten Hürden auf dem Weg zu einer Vereinbarung bereits ausgeräumt seien. Ein entscheidender Punkt bleibt jedoch: Unterschrieben ist noch nichts.
Die Idee ist nicht neu. Bereits im Mai beschrieben chinesische Quellen eine ziemlich klare Rollenverteilung: Huawei soll das Produkt definieren und Schlüsseltechnologien liefern, JAC Entwicklung und Produktion übernehmen, während Maserati für Design, Marke und Positionierung zuständig wäre. Und dann wird es besonders spannend. Dasselbe Fahrzeug könnte in China unter der Marke Maextro verkauft werden und außerhalb des Landes als Maserati auftreten. Damals hieß es außerdem, das Projekt befinde sich noch in einer frühen Entwicklungsphase.
Nun nennt Milano Finanza auch einen möglichen Zeitrahmen. Kommt eine Vereinbarung zustande, könnte das erste gemeinsam entwickelte elektrifizierte Fahrzeug bis Ende 2027 in Produktion gehen. Im Zentrum des Projekts steht offenbar Huaweis Ökosystem Harmony Intelligent Mobility. Wo das Auto gebaut würde — in China oder Italien — ist dagegen noch offen.
Warum sollte Maserati überhaupt über eine so radikale Allianz nachdenken? Die Zahlen liefern eine ziemlich deutliche Antwort. 2025 lieferte die Marke nur 7.900 Fahrzeuge aus und verbuchte einen bereinigten operativen Verlust von 198 Millionen Euro. Für eine Marke mit dieser Geschichte ist das ein Warnsignal. Eine Partnerschaft mit Technologieunternehmen könnte Entwicklungszeit und Kosten senken und zugleich helfen, die Werke in Modena und Cassino besser auszulasten.
Doch es gibt einen wichtigen Haken. Das China-Projekt lässt sich noch nicht automatisch zu den offiziell angekündigten künftigen Maserati-Modellen zählen. Im Plan FaSTLAne 2030 hat Stellantis separat zwei neue Modelle des E-Segments bestätigt und für Dezember 2026 in Modena eine detaillierte Roadmap der Marke angekündigt. Haben diese Fahrzeuge mit Huawei und JAC zu tun? Dazu hat das Unternehmen bislang nichts gesagt. Damit werden entweder die Dezember-Präsentation oder eine Vertragsunterzeichnung zum nächsten Moment, ab dem sich von einer bestätigten neuen Maserati-Strategie sprechen lässt und nicht nur von einem äußerst spannenden Szenario.