Regen ist für ein Elektroauto kein Problem. Ein Gewitter dagegen schon. Wenn die Ladestation für den Außeneinsatz zugelassen und korrekt installiert ist, stört gewöhnlicher Regen den Ladevorgang nicht im Geringsten. Zieht aber eine Gewitterfront auf, ist es sinnvoller, den Ladevorgang rechtzeitig zu beenden und das Auto vom Netz zu trennen, erklärte Automobilexperte Dmitri Nowikow gegenüber 32CARS.RU.
Die Gefahr ist nicht das Wasser. Es ist die Überspannung, die bei einem nahen oder direkten Blitzeinschlag entstehen kann — und sowohl die Fahrzeugelektronik als auch die Wallbox beschädigen kann. Die Hersteller berücksichtigen genau dieses Risiko: Siemens verlangt einen Überspannungsschutz für die Zuleitung, und für die VersiCharge wird zusätzlich ein externer Überspannungsableiter Typ 2 empfohlen — selbst wenn ein integrierter Schutz bereits vorhanden ist.
Entscheidend ist das Timing. Das Auto muss bereits vor Beginn des Gewitters getrennt werden — die Anleitung der Siemens VersiCharge verbietet ausdrücklich, während eines Gewitters Kabel anzuschließen oder zu trennen. Ist der Donner schon zu hören, sollte man erst recht nicht extra nach draußen zum Auto gehen. Laut dem National Weather Service kann ein Blitz zu diesem Zeitpunkt bereits in der Nähe einer Person einschlagen.
„Wenn Vorhersage und Wetterlage auf ein aufziehendes Gewitter hindeuten, ist es besser, den Ladevorgang rechtzeitig zu stoppen und das Auto zu trennen. Moderner Überspannungsschutz senkt das Risiko erheblich, bietet aber bei einem nahen Blitzeinschlag keine absolute Garantie“, so Nowikow.
Bei einer Wallbox mit fest montiertem Kabel ist es einfach: Ladevorgang regulär stoppen und den Stecker vom Auto trennen. Die Station zu öffnen oder an die feste Stromversorgung zu gehen, ist nicht nötig. Auch nach dem Gewitter sollte man nicht sofort zum Auto eilen — Meteorologen empfehlen, mindestens 30 Minuten nach dem letzten Donnerschlag zu warten.
Übrigens ist es bei einem Gewitter sicherer, im geschlossenen Auto zu sitzen, als im Freien zu bleiben. Schutz bietet die Metallstruktur der Karosserie — nicht die Gummireifen, wie oft angenommen wird. Fenster und Türen sollten geschlossen bleiben, Kontakt mit freiliegenden Metallteilen im Innenraum sollte man vermeiden. Das gilt allerdings nur für ein vollständig geschlossenes Fahrzeug mit fester Metallkarosserie: Cabrios und Autos mit nicht-metallischer Karosserie bieten diesen Schutz nicht.
Gewöhnlichen Niederschlag sollte man damit keinesfalls verwechseln. Ladestationen für den Außeneinsatz sind genau dafür gebaut: Der Tesla Wall Connector erfüllt die Schutzklasse IP55, die Siemens VersiCharge IP56, ihr Fahrzeugstecker IP54. Die einzige Voraussetzung ist, dass der Kontaktbereich sauber, funktionstüchtig und frei von stehendem Wasser bleibt.
Überflutung ist dagegen ein ganz anderes Risiko. Wurde die Wallbox teilweise oder vollständig überflutet, darf sie erst nach einer Prüfung durch einen Fachmann wieder genutzt werden. Dasselbe gilt für ein Elektroauto, das ernsthaft unter Wasser geraten ist.
Es gibt auch eine unangenehme Nuance bei der Garantie. Ein Blitzeinschlag hebt nicht automatisch die gesamte Fahrzeuggarantie auf, doch der dadurch verursachte Schaden gilt möglicherweise nicht als Garantiefall. Die europäischen Bedingungen von Tesla etwa stufen Blitzschlag ausdrücklich als äußeren Naturschadensfall ein, den die Werksgarantie nicht abdeckt. Ob eine Versicherung einspringt, hängt dann von den Bedingungen der jeweiligen Police ab.
Am Ende bleiben drei einfache Regeln. Gewöhnlicher Regen ist für eine intakte Außen-Ladestation kein Thema. Zieht ein Gewitter auf, sollte das Auto rechtzeitig getrennt werden. Und wenn das Gewitter schon da ist, sollte niemand extra wegen des Kabels nach draußen gehen.