Aus dem China-Gerücht wird plötzlich Realität und Chevrolet schweigt weiter

Aus dem China-Gerücht wird plötzlich Realität und Chevrolet schweigt weiter
A. Krivonosov
Dmitry Yakin
Autor: Dmitry Yakin

Chevrolets nächstes günstiges Elektroauto für Südamerika ist kein bloßes Gerücht mehr. GM bestätigt das Hatchback-Projekt, während der Wuling Bingo Pro Favorit bleibt.

Bis vor Kurzem war ein neuer kompakter Chevrolet chinesischer Herkunft kaum mehr als ein Gerücht. Jetzt wird es deutlich ernster: General Motors selbst hat das Projekt bestätigt. Während eines China-Besuchs von GM-Südamerika-Chef Thomas Owsianski unterzeichnete das Unternehmen eine Absichtserklärung mit SAIC-GM-Wuling und erklärte, einen neuen kompakten elektrischen Chevrolet-Hatchback für Südamerika zu prüfen. Sogar eine Produktion in Brasilien gehört zu den untersuchten Möglichkeiten.

Dem künftigen Auto sollte man allerdings noch nicht das Schild Wuling Bingo Pro anhängen. GM hat weder die Plattform noch den Verkaufsnamen oder den Starttermin genannt. Branchenquellen halten den Bingo Pro für den wahrscheinlichsten Technikspender, zuvor war in Medienberichten sogar eine Rückkehr des Namens Joy im Gespräch. Beides bleibt vorerst Spekulation. Offiziell ist nur eines: Chevrolet bereitet tatsächlich ein weiteres kompaktes Elektroauto für die Region vor.

Und der Kandidat ist durchaus spannend. Der Wuling Bingo Pro ist 4050 mm lang, hat 2560 mm Radstand und einen 65 kW starken Elektromotor an der Vorderachse, was rund 88 PS entspricht. In China gibt es Versionen mit 330 oder 403 km Reichweite nach CLTC. Die offiziellen SGMW-Preise liegen zwischen 56.800 und 70.800 Yuan. Diese Zahlen einfach auf den künftigen Chevrolet zu übertragen, wäre jedoch sinnlos: lokale Montage, Steuern, Ausstattung und Garantiepolitik werden fast sicher einen ganz anderen Preis ergeben.

Für GM ist dieses Rezept längst kein Experiment mehr. Der Chevrolet Spark EUV basiert auf dem Baojun Yep Plus, der Captiva EV ist mit dem Wuling Starlight S verwandt. Beide werden inzwischen in Brasilien produziert: Der Spark EUV ging im Dezember 2025 in Fertigung, der Captiva EV folgte im Juni 2026. Brasilien wurde damit zum ersten Land außerhalb Chinas, in dem beide Modelle gebaut werden.

Der nächste Schritt steht bereits fest. GM will die Produktion des Captiva PHEV noch vor Jahresende im PACE-Werk aufnehmen. Und das Werk wird offensichtlich nicht nur für drei Autos und eine hübsche Pressemitteilung vorbereitet: Das Unternehmen hat bereits erklärt, dass die Kapazität in einer späteren Ausbaustufe auf 50.000 Fahrzeuge pro Jahr steigen könnte. Deshalb sieht die neue Vereinbarung mit SAIC-GM-Wuling immer weniger nach einem einmaligen Rebadging aus. Das chinesische Joint Venture liefert fertige Entwicklungen und Geschwindigkeit, Chevrolet passt die Fahrzeuge an andere Märkte an und verlagert die Montage schrittweise näher an die Kunden.

Genau deshalb ist die aktuelle Ankündigung so wichtig. Noch im Sommer galt der Wuling Bingo Pro lediglich als möglicher Kandidat für die Rolle eines günstigen Chevrolet. Nun hat GM selbst bestätigt, dass das Projekt eines kompakten Elektro-Hatchbacks existiert. Die Spannung bleibt trotzdem: Das Unternehmen hat noch nicht gesagt, ob wirklich der Bingo Pro als Spender dient, ob der Name Joy zurückkehrt und ob die Neuheit endgültig grünes Licht für eine Produktion in Brasilien erhält. Aus dem größten Gerücht ist ein offizielles Projekt geworden, doch die spannendsten Details behält GM noch für sich.

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