Chinesische Technik, japanisches Emblem und Abstimmung für die deutsche Autobahn — jetzt muss der Mazda CX-6e endlich beweisen, dass hinter den schönen Versprechen mehr steckt. Der Elektro-Crossover hat die monatelange Ankündigungsphase hinter sich gelassen und steht nun bei europäischen Fahrtests sowie in den Showrooms. Auf dem Papier bleibt alles vertraut: 258 PS, Hinterradantrieb, eine 78-kWh-LFP-Batterie und bis zu 484 km nach WLTP. Doch die ersten echten Fahrten bringen Details ans Licht, die in den Hochglanz-Spezifikationen fehlten.
Das beginnt schon beim Laden. Mazda Motor Europe nennt nun eine maximale DC-Leistung von 200 kW und rund 24 Minuten für 10 bis 80 %. Im Januar waren noch 195 kW angegeben. Der Unterschied ist klein, aber bemerkenswert: Die endgültige Europa-Spezifikation fällt etwas stärker aus als zunächst angekündigt.
Martijn ten Brink, Präsident von Mazda Motor Europe, erklärte: „Der neue Mazda CX-6e führt unseren menschenzentrierten Ansatz in das Elektrozeitalter und verbindet herausragendes Design, Fahrspaß und fortschrittliche Technologie auf typisch Mazda-Art. Entwickelt in enger Zusammenarbeit unserer Teams in Europa, Japan und China, vereint der CX-6e die Stärken von Mazda aus aller Welt mit einem klaren Verständnis dafür, was europäische Kunden erwarten. Mit seinem Charakter und seiner speziell auf europäische Straßen abgestimmten Fahrdynamik ist er eine wichtige Ergänzung unseres Modellprogramms und ein weiterer Schritt in unserem mehrgleisigen Ansatz zur Elektrifizierung.“
Und hier wird es spannend. Seine erste ernsthafte Bewährungsprobe für die Europa-Abstimmung bekam der CX-6e auf einer deutschen Autobahn. In einem am 3. September veröffentlichten Fahrtest beschleunigten die Journalisten von Vezess den Elektro-Crossover auf die angegebenen 185 km/h. Das Auto ließ sich von dem Tempo nicht beeindrucken: Gelobt wurden die Stabilität bei hoher Geschwindigkeit, die geringe Seitenneigung und der komfortable Federungskomfort selbst auf 21-Zoll-Rädern. Auch die Restreichweitenanzeige brach nach den schnellen Abschnitten nicht plötzlich ein.
Doch aus der chinesischen Architektur wurde trotz der Abstimmungsarbeit kein durch und durch europäisches Auto. Der Wendekreis liegt bei stattlichen 12,4 m — in der Stadt erinnert das schnell an die Größe des Wagens. Auch Spurhalte- und Geschwindigkeitswarnsystem wurden als zu aufdringlich empfunden. Noch deutlicher fiel die Kritik an den digitalen Spiegeln der Takumi-Plus-Version aus: Über die Kamerabilder ließ sich der Abstand zu benachbarten Fahrzeugen schwieriger einschätzen. Technisch modern? Ja. Praktischer als ein klassischer Spiegel? Das bleibt fraglich.
In Deutschland kostet der CX-6e ab 49.990 Euro als Takumi und ab 52.990 Euro als Takumi Plus.
Mazda hat also deutlich mehr als nur einen umetikettierten chinesischen Elektro-Crossover nach Europa gebracht. Die ersten Fahrten zeigen, dass das Fahrwerk tatsächlich für schnelle europäische Straßen neu abgestimmt wurde — und auf der Autobahn ist diese Arbeit spürbar. Doch in der Stadt erinnern Wendekreis, Bedienoberflächen und einige elektronische Helfer schnell an den Ursprung der Basis. Jetzt bleibt die entscheidende Frage: Wie gut ist der CX-6e abseits einer Präsentation im normalen Alltag? Unabhängige Tests zu Verbrauch und realer Reichweite müssen darauf die Antwort liefern; auf der kurzen Vorstellungsroute ließ sich beides noch nicht objektiv messen.