Ein selbstfahrender Lkw rollte gerade durch eine Stelle, an der selbst erfahrene Fernfahrer vom Gas gehen und mit beiden Händen ans Lenkrad greifen. Japans T2 hat einen Schritt gemacht, der vor ein paar Saisons noch nach ferner Zukunft klang: Der autonome Sattelzug passierte eine Mautstation auf der Autobahn — ohne Hände am Lenkrad, ohne Wechsel in den Handbetrieb, ohne Sicherheitsnetz.
Für einen Pkw ist das Routine. Für eine 2,5 Meter breite Zugmaschine, die sich in einen kaum drei Meter schmalen Korridor quetscht, ist es eine Ingenieursprüfung mit minimalem Spielraum nach beiden Seiten. Bordsteine, Anlagen, eine Schranke — und null Toleranz für Fehler.
Der Lauf erfolgte mit einem Lkw auf Stufe 2, doch T2 zielt längst auf Stufe 4 — den Moment, in dem niemand mehr in der Kabine sitzen muss. Die Tests fanden im Mai 2026 gleich an zwei Punkten statt: am Ayase Smart IC auf der Tomei-Autobahn in der Präfektur Kanagawa und am Nishinomiya-kita IC auf der Chugoku-Autobahn in der Präfektur Hyogo.
Wie schaffte der Sattelzug das überhaupt? Mit einer Kombi aus vorbereiteten, hochpräzisen 3D-Karten und LiDAR an Bord. Das System glich live, was die Sensoren sahen, mit der gespeicherten Karte ab und hielt die Spur auf Zentimeter genau. Dazu lernte der Truck, das ETC-Tor selbst zu lesen — so entschied er allein, ob er durchfahren konnte, statt vor einer geschlossenen Schranke stehenzubleiben.
T2 baut nicht nur einen Lkw. T2 baut eine Kette. Im Zentrum stehen sogenannte „Transgates“ — Terminals, an denen ein echter Fahrer einsteigt oder die Kabine verlässt. Auf der Autobahn fährt der Sattelzug allein, auf normalen Straßen bis zum Lager oder Kunden sitzt ein Mensch am Steuer. Zusätzlich zum laufenden Transgate Ayase eröffnete das Unternehmen Transgate Nishinomiya-kita an der gleichnamigen Anschlussstelle. Der neue Standort liegt auf Flächen von Kuramoto Transport und fasst bis zu acht Lkw gleichzeitig.
Seit 2025 fahren T2-Trucks bereits kommerzielle Touren auf einem Teil der Strecke Kanto–Kansai. Die Kundenliste aus Spediteuren und Herstellern ist auf 17 angewachsen. Im März 2026 vermeldete die Firma einen weiteren Meilenstein: Ihr Sattelzug fuhr rund 500 km zwischen den beiden Regionen — und der Fahrer berührte das Lenkrad kein einziges Mal.
Der nächste Schritt ist nicht die Autobahn selbst. Es ist die Grauzone: der Abschnitt von der Mautstelle bis zum Transgate, die Ein- und Ausfahrt am Gelände. Genau dort reißt die fahrerlose Kette heute noch. Sobald der Truck diese ganze Schleife ohne einen einzigen manuellen „Wechselpunkt“ durchfährt, hört autonome Logistik auf, eine Vorführung zu sein. Sie wird zur Route.