Eine kompakte Box für 599 Dollar verwandelt einen serienmäßigen INEOS Grenadier in etwas, das fast schon ein M-Abzeichen verdient hätte. Kein Witz, keine Marketing-Phrasen — echte Prüfstandszahlen.
Die Amerikaner von Burger Motorsports haben das JB4-Tuning-Modul für den Grenadier mit dem benzinbetriebenen BMW-Reihensechszylinder B58 herausgebracht. Es wird per Plug-and-Play eingestöpsselt, ohne Flashen, und arbeitet auch mit gesperrten Steuergeräten zusammen. Der Hersteller verspricht Zugewinne von bis zu 80 PS und 136 N·m an den Rädern.
Und hier wird es spannend. Auf gewöhnlichem 91-Oktan-Benzin leistet ein Grenadier des Modelljahrs 2026 serienmäßig 252 PS und 422 N·m an den Rädern. Mit JB4 und Map 1 sind es plötzlich 292 PS und 492 N·m. Vierzig Pferde aus dem Nichts — ohne Motoreingriff, ohne Flash.
Mit 93-Oktan-Kraftstoff und Map 2 werden die Zahlen geradezu unanständig — 312 PS und 575 N·m an den Rädern. Für einen schweren Rahmen-SUV von fast zweieinhalb Tonnen ist das eine völlig andere Maschine.
Doch das Cleverste an dieser Abstimmung ist nicht die Spitzenleistung. Ein schwerer Geländewagen braucht berechenbares Drehmoment im unteren Bereich: Eine plötzliche Ladedruckspitze bei 2000 Umdrehungen auf losem Untergrund lässt die Räder in Sekundenbruchteilen durchdrehen und belastet den Antriebsstrang so stark, dass eine Halbachse brechen kann. Deshalb erlaubt JB4 über die Smartphone-App, den Ladedruck manuell in bestimmten Drehzahlbereichen zu deckeln. Die Gaspedalreaktion bleibt linear, das Verhalten vorhersehbar — im Gelände ist das wichtiger als ein paar zusätzliche Newtonmeter.
Der Hersteller weist ausdrücklich darauf hin: Das Kit ist nur für Wettbewerbe und geschlossene Strecken bestimmt. In Kalifornien wird es nicht verkauft und ist nicht zugelassen. Eine Formalität? Möglich. Doch der Hinweis steht gleich vorn.
Der Schluss drängt sich auf. Wenn eine Box für 599 Dollar fast fünfzig Pferde allein per Software aus einem Motor zieht, dann hat BMW im B58 eine riesige Reserve liegen lassen. Die eigentliche Frage ist nur, warum INEOS sie selbst nicht nutzt.