Mirafiori geht wieder vom Netz. Stellantis hat dem Werk in Turin, in dem der Fiat 500 vom Band läuft, eine weitere Woche Stillstand verpasst — und das obendrauf zu einer bereits geplanten dreiwöchigen Sommerpause. Die Linie ruht vom 27. bis 31. Juli, danach steht sie fast den ganzen August still.
Die offizielle Lesart — fehlende Teile. Stellantis bestätigt: Es mangelt an Motoren, Stoßfängern, Sensoren. Einige Zulieferer, heißt es, kommen schlicht nicht mit dem hochgefahrenen Ausstoss des Fiat 500 mit, seit die Modell-Reihe Ende 2025 in Hybridform zurückgekehrt ist.
Die Gewerkschaft FIM Cisl sieht das völlig anders. Ihr Vertreter Igor Albera bringt es auf den Punkt — die endlosen Stillstände in Mirafiori sehen immer mehr nach einem Zeichen aus, dass sich der Wagen nicht so verkauft, wie Stellantis gehofft hatte. Das Werk sollte gerade nach einer Woche Pause wegen eines Feiertags in Turin wieder anlaufen — und kassierte sofort den nächsten Schlag.
Für Stellantis ist der Fiat 500 nicht einfach nur ein Kleinwagen. Er ist der Versuch, das legendäre Mirafiori wieder zum Leben zu erwecken. Im vergangenen Jahr verkündete der Konzern laut und deutlich — 100.000 Einheiten 2026, als Hybrid und vollelektrisch. Europachef Emanuele Cappellano meldete 15.000 produzierte Autos im ersten Quartal und sagte, die Linie ziehe an. Das Jahresziel von 100.000 mochte er allerdings nicht bestätigen.
Und da ist noch ein Signal, das man kaum überhören kann. Laut Albera hat Stellantis den Tagestakt des Fiat 500 bereits von 430 auf 400 Autos gesenkt. Für ein Kompaktmodell, auf das die Marke setzt, ist diese Rechnung alarmierend. Liegt es wirklich nur an den Zulieferern, lässt sich die Linie später wieder hochfahren. Liegt es an der Nachfrage, hat die Hybridversion die eine Aufgabe verfehlt, die sie hatte — den Europäer zurück zum kleinen Fiat zu holen, ausgerechnet in einem Moment, in dem er immer öfter zum Crossover oder zum praktischeren Elektroauto greift.
Mirafiori ist erneut der Indikator für Stellantis’ Lage in Europa. Ein Werk lässt sich mit einem neuen Produkt stützen. Den Markt aber dazu zu bringen, beim Produktionsplan mitzuspielen — das ist eine ganz andere Geschichte.