Achtzehn Jahre. So lange hat Bridgestone gebraucht, um seinen luftlosen Reifen vom Prototyp auf die echte Straße zu bringen. Jetzt hat AirFree endlich den Messestand verlassen — in der japanischen Stadt Higashiomi wurde er landesweit zum ersten Mal an einem kommunalen selbstfahrenden Fahrzeug montiert, nicht für die Dauer eines Versuchs, sondern als dauerhafter Dienst.
Die Reifen kamen an einen Green-Slow-Mobility-Shuttle, den Oku-Eigenji Keiryu Car — eine gemächliche Plattform im Golfwagen-Stil, die seit 2021 Menschen auf einer Strecke von rund 4,8 km befördert. Der Dienst startete am 8. Juli im Bezirk Oku-Eigenji, wo über 60 % der Einwohner alt sind. Hier zählt nicht Tempo, sondern Verlässlichkeit: Das Fahrzeug muss jeden Tag auf die Linie gehen und Einheimische wie Touristen befördern, ohne wegen Kleinigkeiten Fahrten ausfallen zu lassen.
AirFree braucht überhaupt keine Luft. Die Last trägt nicht der Druck im Reifen, sondern eine speichenförmige Tragstruktur aus Thermoplast. Das heißt: kein gewohntes Pannenrisiko, keine regelmäßige Druckkontrolle und weniger Gründe, mitten auf der Strecke stehen zu bleiben. Für einen Privatwagen wirkt das noch exotisch. Doch für kleine Shuttles, Industriemaschinen und Nahverkehr sieht die Rechnung anders aus: Stillstand kostet oft mehr als der Reifen selbst. Und ein Detail übersieht man kaum — die Speichen sind im markanten Empowering Blue lackiert, damit der Shuttle auch in der Dämmerung sichtbar bleibt.
Der selbstfahrende Shuttle in Higashiomi folgt einer elektromagnetischen Leitlinie, die direkt in die Fahrbahn eingelassen ist. Das ist kein Robotaxi, das die Welt über Kameras und Lidar liest: Das System ist einfacher und für eine feste Linie gebaut. Und die Schwachstelle ist hier nicht die vielbeschworene „künstliche Intelligenz“, sondern viel Bodenständigeres — der Reifen, der Sensor, die Wartung, die Bereitschaft, morgens auf die Strecke zu gehen.
Beim Start bestätigten die Beteiligten: Mit AirFree schlagen die Warnanzeigen seltener an — und solange sie nicht quittiert sind, schaltet das Fahrzeug schlicht nicht in den Automatikmodus. Auch von weniger Lärm und weniger Vibrationen war die Rede. Einer der Fahrer, Masatoshi Nakaya, sagte es klar: „Im Vergleich zu Reifen mit Luft ist die Zahl der Male, die die Warnleuchte angeht, deutlich zurückgegangen.“