Ein winziger Renault hat gerade geschafft, womit niemand rechnete — er lässt schwere Elektro-SUVs auf der Autobahn alt aussehen, in ihrer eigenen Paradedisziplin. AutoBild jagte eine Reihe von E-Autos mit konstant 130 km/h über die Bahn, und das Ranking stellte sich auf den Kopf. Ganz oben stehen drei Kleinwagen: Renault Twingo, Cupra Raval und Mini Aceman. Der Twingo verbrauchte 14,4 kWh pro 100 km, der Raval 15,2, der Aceman 16,2. Alle drei blieben unter 17. Die Schwergewichte mit ihren riesigen Akkus hatten das Nachsehen.
Für ein E-Auto ist die Autobahn die ehrlichste Prüfung überhaupt. In der Stadt verzeiht die Rekuperation alles: niedrigeres Tempo, häufiges Bremsen, und die Extra-Masse kostet kaum Reichweite. Bei hohem Tempo ist Schluss mit den Illusionen. Jetzt regieren Aerodynamik, Gewicht, Stirnfläche und der Wirkungsgrad des Antriebs. Deshalb beginnt ein großer SUV, der auf dem Papier weit kommt, bei 130 km/h die Ladung spürbar schneller „aufzufressen“. Und der Sieg der Kleinen überrascht plötzlich niemanden mehr.
Renault Twingo, Cupra Raval und Mini Aceman versuchen gar nicht erst, die Physik mit einem gigantischen Akku zu erschlagen. Sie gewinnen anders — mit weniger Gewicht, bescheidenen Maßen und einem klügeren Antrieb. Und für den Halter ist das bares Geld. Jede Kilowattstunde, die auf 100 km nicht draufgeht, bedeutet eine günstigere Fahrt und weniger Abhängigkeit von Schnellladern. Dazu ein Schlag gegen die Lieblingsangst der Skeptiker: dass ein kleines E-Auto nur in der Stadt tauge und auf der Autobahn zum reinen Kompromiss werde.
Der AutoBild-Test zeigt das Gegenteil. Ja, ein Kleinwagen ist nicht der ideale Begleiter für häufige Langstrecken mit Familie und Gepäck. Doch bei der Effizienz im hohen Tempo lässt er deutlich teurere und schwerere Autos hinter sich.
Es gibt auch eine Kehrseite. Ein niedriger Verbrauch macht noch lange nicht den besten Langstreckenwagen. Ein großer Akku liefert auf langer Route trotzdem Reichweite, und die Ladegeschwindigkeit kann wichtiger sein als ein paar gesparte Kilowattstunden. Doch wer überwiegend in der Stadt unterwegs ist, nur gelegentlich auf die Autobahn geht und die Gesamtkosten im Blick hat, für den werden kompakte E-Autos deutlich überzeugender. Und das Fazit schmerzt die Fans schwerer Stromer: Reichweite kauft man mit dem Akku, Effizienz aber mit Ingenieurskunst und Maß.