Audi holt den A4 zurück — und zwar so, wie es keiner mehr erwartet hat. Die legendäre Limousine, die sich jahrelang mit dem BMW 3er und der Mercedes-Benz C-Klasse duellierte, ersteht 2028 wieder auf. Doch dieselbe wird sie nicht sein. Die nächste Generation kommt als A4 e-tron — vollelektrisch, auf der neuen SSP-Plattform des Volkswagen-Konzerns.
Und das ist mehr als ein Comeback. Audi hat den klassischen A4 selbst zu Grabe getragen, als der Konzern ein seltsames Spiel mit den Namen begann: Verbrenner bekamen ungerade Zahlen, Elektroautos gerade. Auf dem Papier klang das logisch. In der Praxis verwirrte das Schema Käufer wie Händler gleichermaßen. Und der Name A4 erwies sich als viel zu stark, um ihn stillschweigend gegen einen A5 einzutauschen.
Laut Autoblog bestätigte Audi-Technikchef Rouven Mohr, dass der Zeitplan für den A4 e-tron weiterhin steht. Für das Projekt kam eine beschleunigte Entwicklungsmethode zum Einsatz — genau jene, die zuletzt am Supersportwagen Nuvolari erprobt wurde. Nein, Supersportwagen-Technik bekommt die Limousine nicht. Doch die Handschrift des Flaggschiffs zeigt sich an anderer Stelle — im Design und in der Art, wie das Auto entsteht.
Die neue Audi-Philosophie zeigt zuerst der Nuvolari. Nur ist seine Auflage winzig — und damit könnte der A4 zum ersten wirklich massentauglichen Träger des neuen Stils werden. Es geht um klarere Linien, eine neue Lichtsignatur und den Versuch, Audi jene visuelle Selbstsicherheit zurückzugeben, die der Marke gegenüber der BMW Neuen Klasse und den frischen Mercedes schmerzlich fehlte.
Ein gezielter Schlag trifft ein altes Sorgenkind: den Innenraum. Audi hat offen eingeräumt, dass die Interieurqualität in den vergangenen Jahren nachgelassen hat. Die neuen Modelle versprechen edlere Materialien, weniger vom Gefühl eines „Bildschirms um des Bildschirms willen“, aufgeräumtere Displays und — endlich — mehr physische Tasten. Für den Käufer einer Premiumlimousine ist das keine Kleinigkeit. Der Innenraum war einst Audis wichtigster Trumpf gegen BMW und Mercedes.
Und die SSP-Plattform könnte ein weiteres Ass im Ärmel sein. Sie wird für verschiedene Antriebsarten ausgelegt, für Elektroautos verspricht Audi eine Ladung von 10 auf 80 % in rund 12 Minuten. Übersteht diese Zahl den Weg in den Serien-A4 e-tron, bekommt die Limousine ein schweres Argument gegen den BMW i4, die elektrische Mercedes C-Klasse und die kommende Welle chinesischer Premiummodelle.