Der Abstand wächst weiter, und die alten Platzhirsche kommen einfach nicht hinterher

Der Abstand wächst weiter, und die alten Platzhirsche kommen einfach nicht hinterher
A. Krivonosov
Dmitry Yakin
Autor: Dmitry Yakin

Der Gartner Digital Automaker Index 2026 sieht Tesla bei 82,7 %, dicht gefolgt von vier chinesischen Marken. Volkswagen und BMW landen weit abgeschlagen.

Den alten Marken fällt es offenbar zunehmend schwer, mitzuhalten. Tesla hat sich im Digital Automaker Index 2026 der Beratungsgesellschaft Gartner den ersten Platz gesichert und sein Ergebnis auf 82,7 % gesteigert. Direkt dahinter folgen gleich vier chinesische Hersteller: Nio kam auf 73,1 %, Xiaomi auf 69,2 %, XPeng auf 57,7 % und Li Auto auf 57,0 %. Die Top 6 schließt der US-Hersteller Rivian mit 55,5 % ab.

Für die alteingesessene Autoindustrie sieht das Bild deutlich trüber aus. Hyundai-Kia belegte mit 37,5 % Platz zehn. Mercedes-Benz war zwar bestes europäisches Unternehmen, kam aber nur auf Platz elf mit 35,8 %. BMW erreichte 30,9 % und Platz 14, Volkswagen 29,5 % und Platz 16, und Stellantis rutschte mit 23 % auf Rang 22 ab. Ganz am Ende des Rankings nennt ecomento Nissan und Mazda. Die Prozentwerte sollten dabei aber nicht direkt als Urteil über Infotainment oder Bedienkomfort eines konkreten Fahrzeugs verstanden werden.

Gartner untersucht 24 Hersteller und bewertet, wie konsequent sie digitale Technologien im gesamten Unternehmen und Modellprogramm einsetzen: Elektronikarchitektur, vernetzte Funktionen, Elektrifizierung, autonomes Fahren, Personal und weitere Bereiche. 2026 wurde künstliche Intelligenz erstmals als eigene Kategorie geführt.

Gleichzeitig wurde die Methodik verschärft. Gartner prüft nicht mehr nur, ob eine Technologie vorhanden ist, sondern wie breit sie tatsächlich in den Fahrzeugen des Herstellers verankert ist. Deshalb garantiert selbst eine neue, fortschrittliche Plattform allein noch keine hohe Punktzahl. Das erklärt mit, warum BMW mit der Neuen Klasse nur auf Platz 14 landete. Und genau dieser Ansatz erklärt auch den Vorsprung der chinesischen Unternehmen recht gut.

Einer weiteren Branchenstudie zufolge entwickeln chinesische Hersteller neue Fahrzeuge nicht nur spürbar schneller als ihre europäischen Konkurrenten, sondern bauen Software-defined-Vehicle-Systeme auch häufiger komplett selbst. Gartner bewertet Eigenentwicklungen im Bereich KI besonders positiv: Tesla belegte hier Platz eins, Xiaomi Platz zwei und XPeng Platz drei.

Bezeichnend ist der Fall Volkswagen: Der Konzern versucht bereits, den technologischen Rückstand gemeinsam mit Rivian aufzuholen, und die gemeinsame Entwicklung einer neuen Software-Elektronik-Architektur ist bereits bei Fahrzeugtests angekommen. Im Gartner-Ranking steht Rivian selbst aber auf Platz sechs — zehn Plätze vor Volkswagen. Zum Nachdenken.

Ein niedriger Rang bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein konkreter Volkswagen, BMW oder Mercedes bei Bedienoberfläche oder Assistenzsystemen tatsächlich schlechter ist als die Konkurrenz. Das Ranking zeigt vielmehr etwas anderes: Digitale Funktionen werden immer stärker zum festen Bestandteil der gesamten Fahrzeugkonstruktion und des Entwicklungsprozesses — und Tesla setzt diesen Ansatz zusammen mit der neuen Generation chinesischer Unternehmen derzeit deutlich breiter um als die traditionellen Hersteller.

Tarantas.news berichtete zuvor über die überraschenden Ergebnisse eines Vergleichs von Hyundai und Kia: Welche Autos sich 2026 als zuverlässiger erwiesen.

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