Der Nürburgring ist nicht mehr der Maßstab. Lamborghini plant nicht, den neuen Revuelto SV für einen Rekordversuch auf die Nordschleife zu schicken — obwohl genau dort beide Vorgänger berühmt wurden. Der neue Referenzpunkt heißt Hockenheim, wo der 1065 PS starke Hybrid die GP-Strecke bereits in 1 Minute 41,6 Sekunden umrundet hat.
Revuelto-Baureihenchef Alessandro Farmeschi erklärte gegenüber MotorTrend, warum die Wahl auf Hockenheim fiel. Die Nürburgring-Nordschleife nutzt Lamborghini weiterhin für Tests — nur nicht mehr für den Marketing-Rekord. Der Grund ist simpel: Ein Ergebnis aus Hockenheim lässt sich für Besitzer leichter auf die eigene Fahrpraxis übertragen, weil die Strecke kürzer und weniger speziell ist. Und der Unterschied ist wirklich gewaltig — die offizielle Länge der Nordschleife beträgt 20,832 km, gegenüber gerade einmal 4,574 km bei der GP-Konfiguration von Hockenheim.
Das ist eine deutliche Kehrtwende. Der Huracán Performante umrundete die Nordschleife 2016 in 6:52,01, der Aventador SVJ folgte 2018 mit 6:44,97. Damals präsentierte Lamborghini beide Zeiten als direkten Beweis für die Leistungsfähigkeit seiner sportlichsten Serienmodelle. Jetzt hat derselbe Hersteller die Spielregeln geändert.
Doch auch der neue Rekord hat einen Haken — und zwar einen ziemlich unangenehmen. Lamborghini bezeichnete 1:41,6 zunächst als schnellste je von einem Serienfahrzeug erzielte Zeit in Hockenheim. Das Problem: Der Mercedes-AMG One ist dieselbe Strecke bereits in rund 1:38,6 gefahren — fast drei Sekunden schneller. Nachdem MotorTrend nachgehakt hatte, musste das italienische Unternehmen klarstellen: Es handle sich um einen Rekord unter Serien-„Supersportwagen“, während man den AMG One als Kleinserien-Hypercar einstufe. Mit anderen Worten — der Vorsprung des Revuelto SV steht weniger auf der Stoppuhr als auf einer geschickt gewählten Kategorie.
Der Revuelto SV selbst ist trotzdem klar nicht nur für die Schlagzeile entstanden: 1065 PS, 1425 Nm Drehmoment, 0 auf 100 km/h in 2,4 Sekunden, manuell einstellbare Dämpfer auf Basis von GT3-Renntechnik und ein eigener Pilota-Modus. Lamborghini gibt sogar empfohlene Fahrwerkseinstellungen für glatte, unebene und nasse Strecken vor. Aus dem Entwicklungsprogramm verschwindet die Nordschleife dabei nicht — nur ihre Rolle ändert sich. Vorerst bleibt sie Testgelände. Und keine öffentliche Bestenliste.