600 kW versprach die Säule, der Wagen zog 721,85 kW

600 kW versprach die Säule, der Wagen zog 721,85 kW
B. Naumkin
Vlad Komarov
Autor: Vlad Komarov

Ein Denza Z9GT erreichte an einer französischen Atlante-Säule mit 600-kW-Limit satte 721,85 kW und lud in vier Minuten 43 kWh nach. Eine vollständige Erklärung fehlt bislang.

Eine Zahl wie 721,85 kW lässt jeden aufhorchen, der Europas Laderennen verfolgt. Interessanter ist jedoch ein anderer Wert: Der Akku des Denza Z9GT stieg innerhalb von nur vier Minuten von 47 % auf 80 %, die Säule gab dabei rund 43 kWh ab. Eine einfache Rechnung ergibt eine Durchschnittsleistung von etwa 645 kW in diesem Intervall – kein kurzer Spitzenwert also, sondern ein anhaltendes Tempo. Getestet hat das BYD-France-Ingenieur Song Yu an einer Atlante-Säule in Saint-Flour.

Und genau hier wird es merkwürdig. Der öffentliche Katalog der Atlante-Säule in Saint-Flour weist acht CCS-Anschlüsse mit bis zu 600 kW aus, dazu zwei weitere mit 400 kW. Wie Auto oder Ladesystem beim Test 721,85 kW erreichten – an einer auf 600 kW ausgelegten Anlage –, erklären die offenen Daten nicht. Von einer erwiesenen Überschreitung der physikalischen Grenze der Säule zu sprechen, wäre ohne die Logs des Betreibers selbst verfrüht.

Der Wert passt allerdings gut zu dem, was der neue Z9GT eigentlich leisten kann. Die europäische Elektroversion nutzt die Blade Battery der zweiten Generation mit 122,49 kWh Kapazität. BYD gibt für Flash Charging offiziell bis zu 1,5 MW an, mit 10–70 % in fünf Minuten und 10–97 % in neun Minuten.

Auch die 43 kWh verdienen einen zweiten Blick. Ein Anstieg um 33 Prozentpunkte bei einem 122,49-kWh-Akku entspricht rechnerisch rund 40,4 kWh, die tatsächlich im Akku ankommen. Die Differenz zu den von der Säule gemeldeten 43 kWh liegt gut im Rahmen von Ladeverlusten, Kühlung und Rundung – auffällig ist daran nichts. Wie derselbe Akku bei extremer Kälte reagiert, zeigt ein separater Test des Z9GT nach einem Tag bei −30 °C.

Auch bei den Infrastrukturplänen war eine Korrektur nötig. Die ursprüngliche Meldung sprach von 3.000 Flash-Charging-Säulen in Europa bis Ende 2026. Die offizielle internationale Mitteilung von Denza formuliert die Frist anders: 3.000 europäische Stationen sollen innerhalb von 12 Monaten nach dem April-Start Teil eines globalen Netzes von 6.000 Punkten außerhalb Chinas werden. Der Unterschied ist nicht unerheblich.

Der Z9GT ist bereits das erste Serienmodell mit Blade Battery der zweiten Generation und Flash Charging. Der französische Test zeigt den nächsten Schritt: Schon die heutige öffentliche Infrastruktur kann Leistungen weit über die gewohnten 300–350 kW halten. Die von BYD versprochenen 1,5 MW benötigen zwar weiterhin eigene Flash-Charging-Stationen – doch die Lücke dazu dürfte, glaubt man diesem Test, nicht mehr allzu lange bestehen bleiben.

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