Europa investiert 200 Milliarden Euro in das E-Auto-Ökosystem

Europa investiert 200 Milliarden Euro in das E-Auto-Ökosystem
A. Krivonosov
Dmitry Yakin
Autor: Dmitry Yakin

Europa investiert knapp 200 Milliarden Euro in sein Elektroauto-Ökosystem: Batterien, Fabriken und Ladesäulen. Die Projekte sichern über 150.000 Jobs, doch der Verbrenner-Ausstieg ab 2035 ist umstritten.

Europa hat knapp 200 Milliarden Euro in sein Ökosystem für Elektroautos gesteckt. Das berichtet New Automotive. Es geht nicht nur um den Bau von Fahrzeugen – das Ziel ist eine komplette Lieferkette von der Batterie bis zur Ladestation.

Der Löwenanteil entfällt auf Batterien. Rund 60 Milliarden Euro sind in die Batterie-Lieferkette geflossen – eine direkte Reaktion auf die Abhängigkeit von China. Die Internationale Energieagentur meldet, dass chinesische Fabriken 2025 mehr als 80 Prozent aller Batterien hergestellt haben, auch für andere Anwendungen als E-Autos.

Aufgeholt hat Europa noch nicht, aber es hat ein Fundament. Laut New Automotive produzieren heimische Fabriken inzwischen Batterien für etwa jedes dritte in der Region verkaufte Elektroauto. Sollten alle angekündigten Kapazitäten tatsächlich ans Netz gehen, könnten sie den künftigen Bedarf decken.

In die EV-Produktion flossen weitere 60 Milliarden Euro, verteilt auf die Modernisierung alter Montagelinien und den Bau neuer Fabriken, die ausschließlich für Elektroautos ausgelegt sind. Ein weiterer Großposten ist die Ladeinfrastruktur: Zwischen 23 und 46 Milliarden Euro sind in öffentliche Ladepunkte investiert worden, und Europa zählt mittlerweile über eine Million öffentliche Ladestationen. Zusätzlich wurden 3,5 Milliarden Euro in die Herstellung der Infrastruktur selbst gesteckt.

Diese Projekte sichern bereits mehr als 150.000 Arbeitsplätze. Wenn alle angekündigten Vorhaben realisiert werden, könnte die Zahl um weitere 300.000 steigen. Allerdings ist das Geld ungleich verteilt. Deutschland vereint fast ein Viertel aller Investitionen auf sich und bleibt das Zentrum der E-Mobilitätswende in Europa – Heimat großer Autobauer, Zulieferer und Batterieprojekte.

Vor diesem Hintergrund verschärft sich die Debatte um ein Verbot neuer Verbrenner ab 2035. Deutschland, Italien und mehrere mittel- und osteuropäische Länder lehnen die strikte Maßnahme ab – obwohl mehr als die Hälfte der erfassten Investitionen genau in diesen Regionen steckt. Die Lage ist widersprüchlich: Fabriken werden gebaut, Geld ist zugesagt, Arbeitsplätze hängen an den E-Autos, doch das politische Vertrauen in die künftigen Regeln bröckelt.

Für Käufer geht es dabei nicht um einen sofortigen Preisverfall – es ist eine langfristige Wette. Je mehr Batterien, Fabriken und Ladestationen Europa aufbaut, desto weniger ist es auf Importe angewiesen und desto besser stehen die Chancen auf günstigere E-Autos. Allerdings hatte China einen Vorsprung und das in größerem Maßstab – Europa muss nun mit voller Kraft aufholen.

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