Plötzlich ist die deutscheste aller Marken Amerika nicht deutsch genug

Plötzlich ist die deutscheste aller Marken Amerika nicht deutsch genug
B. Naumkin
Autor: Dmitry Yakin

Niemand hat damit gerechnet, dass ausgerechnet Mercedes-Benz auf einer US-Sanktionsliste landet. Doch genau das passiert jetzt — und die chinesischen Großaktionäre könnten zum politischen Sprengsatz werden.

Das hat keiner kommen sehen — ausgerechnet Mercedes-Benz, mitten in einem US-Sanktionssturm. Doch genau hier sind wir. Offiziell ist die Marke bis zur letzten Schraube deutsch. Inoffiziell könnten zwei große chinesische Aktionäre die vernetzten Mercedes-Modelle auf dem amerikanischen Markt zu einer politischen Zielscheibe machen.

Die neuen Vorschriften aus Washington treffen jedes Fahrzeug mit Telematik, Bordsoftware, Kommunikationsmodulen — im Grunde jede Elektronik, in der auch nur ein dünner Faden nach China führt. Softwarekomponenten sind ab Modelljahr 2027 verboten. Hardware folgt 2030. Und nein, die Prüfung wird nicht bei Autos mit chinesischen Logos haltmachen.

Die Aktionärsstruktur von Mercedes wirkt fast wie für diese Art von Regulierung gemacht. Die BAIC Group hält 9,98 % der Stimmrechte des Konzerns. Li Shufu kommt über Tenaciou3 Prospect Investment Limited auf weitere 9,69 %. Keiner der beiden Anteile macht Mercedes für sich allein zu einem chinesischen Unternehmen. Doch nach der neuen US-Logik ist das Logo auf der Motorhaube kein Freibrief mehr. Prüfer werden sich Governance, Datenzugriff, Lieferketten, Quellcode und den Einfluss ausländischer Investoren genau ansehen.

Ein Präzedenzfall existiert bereits. Volvo, kontrolliert vom chinesischen Geely, musste auf dem US-Markt nachweisen, dass seine vernetzten Fahrzeuge chinesischen Partnern keinen Zugriff auf Fahrerdaten oder kritische Systeme geben. Für Mercedes-Benz zeichnet sich das gleiche Drehbuch ab — kein Sofortverbot, sondern ein langer, teurer Loyalitätsnachweis.

Käufer müssen nicht damit rechnen, dass die Händler morgen leer stehen. Das echte Risiko ist langsamer und unangenehmer: Verzögerungen bei der Zertifizierung, Umbauten in der Elektronik, neue Zulieferer, steigende Kosten. Und das schlägt sehr schnell in höhere Listenpreise oder abgespeckte Ausstattungslinien um.

Mercedes-Benz wird sich wahrscheinlich nicht aus den USA zurückziehen. Aber die Ära, in der es reichte, einfach deutsch zu sein? Die ist vorbei.

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