Smart ist nicht mehr klein. Überhaupt nicht. In China rollt jetzt der Smart #6 EHD vom Band, das größte Modell der Markengeschichte, und mit dem winzigen Stadtauto, das Smart einst definierte, hat dieser Wagen nichts mehr zu tun. Vor uns steht ein fast fünf Meter langer Fastback-Liftback, geboren aus dem Joint Venture von Mercedes-Benz und Geely.
Im Mittelpunkt steht nicht die Kompaktheit. Auch nicht der sportliche Charakter. Wichtig ist hier vor allem die Reichweite. Der Smart #6 EHD setzt auf einen Plug-in-Hybridantrieb mit 1,5-Liter-Benziner und Elektromotor. Die Systemleistung erreicht 320 kW, etwa 435 PS. Auf 100 km/h beschleunigt der Wagen in 6,7 Sekunden. Das ist kein Rekord für diese Leistung, aber der #6 EHD will gar kein Sportwagen sein. Er spielt in einer anderen Liga.
Käufer haben die Wahl zwischen zwei Lithium-Eisenphosphat-Batterien. Mit dem 20-kWh-Akku schafft das Auto bis zu 135 km rein elektrisch, mit dem 41,46-kWh-Pack sind es 285 km nach chinesischem CLTC-Zyklus. Mit vollem Tank und voll geladener Batterie steigt die Gesamtreichweite auf 1810 km. Der angegebene Verbrauch liegt bei 3,9 l/100 km. Die realen Werte hängen natürlich von Fahrstil, Akkustand und Tempo ab.
Jetzt zu den Preisen. Die Basisversion 1675 Pro kostet rund 179.900 Yuan. Die mittlere 1810 Max liegt bei 197.900 Yuan, die Topvariante 1810 Ultra bei 217.900 Yuan (das sind Aktionspreise zum Marktstart, die offiziellen Listenpreise sind etwas höher). Gegen europäische Hybride gleicher Größe wirkt der #6 EHD geradezu billig — auch wenn ein direkter Marktvergleich nie die ganze Wahrheit zeigt.
Nach den Abmessungen rückt der #6 EHD näher an die Business-Klasse als an die alten Stadtflitzer der Marke. Länge: 4906 mm, Breite: 1922 mm, Höhe: 1508 mm, Radstand: 2926 mm. Das Design stammt vom globalen Team von Mercedes-Benz: gestreckte Silhouette, versenkbare Türgriffe, rahmenlose Türen und ein Auftritt, den vor zehn Jahren niemand von Smart erwartet hätte.
Auch die Technik ist auf den chinesischen Käufer zugeschnitten. An Bord sind ein Lidar, rund 30 Sensoren, das Assistenzsystem Geely Afari Smart Driving, ein 25,6-Zoll-AR-HUD und der Sprachassistent Doubao AI von ByteDance. In China ist solche Ausstattung längst kein Luxus mehr — sondern überlebenswichtig im Kampf gegen BYD, Geely Galaxy, Deepal und Changan.
Eines ist klar. Die Marke hat ihr altes Image als Hersteller zweisitziger Cityflitzer endgültig hinter sich gelassen. Smart ist heute ein chinesisch-europäisches Label, das große, technologielastige Autos verkauft. Die Nostalgie nach dem alten Smart liegt am selben Ort wie der alte Smart selbst — in der Vergangenheit.