Besitzer älterer S-Klasse-Modelle könnten plötzlich verkaufen wollen. Mercedes-Benz hat in Japan die Bestellbücher für das überarbeitete Flaggschiff geöffnet — und es ist nicht mehr das Auto, das es vor einem halben Jahr war. Die Einstiegsversion S 450 d 4MATIC kostet 15,98 Millionen Yen. Das sind rund 99.500 US-Dollar zum aktuellen Kurs. Die ersten Auslieferungen starten im September.
Außen wirkt die Limousine präsenter — doch Mercedes hat das Wesen der S-Klasse nicht angetastet. Der Kühlergrill wuchs um etwa 20%, statt drei Chromstreben gibt es nun vier, und der Grill selbst leuchtet erstmals. Hinten kommen Rücklichter mit Sternenmuster, vorn trägt DIGITAL Light dasselbe Motiv. Das ist kein Facelift um seiner selbst willen. Das ist eine teure optische Justierung, damit der Wagen frisch wirkt — auch dann, wenn der Besitzer sein Budget nicht herausschreien will.
Doch die eigentliche Revolution spielt sich innen ab. Und sie kippt den Markt leise um. Die neue S-Klasse läuft auf einem eigenen Betriebssystem MB.OS und der vierten Generation des MBUX. Im Innenraum stecken ein 14,4-Zoll-Zentraldisplay und ein 12,3-Zoll-Beifahrerbildschirm. Die Navigation basiert auf Google Maps. Der virtuelle Assistent zapft ChatGPT, Microsoft Bing und Google Gemini gleichzeitig an. Dazu kommt vollwertige 3D-Navigation. Mercedes verkauft nicht länger nur Leder und Stille. Die Deutschen verkaufen jetzt eine digitale Umgebung, die sich per Funk aktualisieren lässt.
Unter der Haube der S 450 d 4MATIC arbeitet der neue Reihensechszylinder-Diesel OM 656 Evo. Und hier ist endlich passiert, worauf die Autowelt jahrelang gewartet hat: Erstmals serienmäßig kommt ein elektrisch beheizter Katalysator zum Einsatz. Er senkt die Emissionen unmittelbar nach dem Kaltstart. Für die S 580 4MATIC Long bleibt der V8 M177 Evo: 395 kW (rund 537 PS) und 750 Nm. Alle Motoren bekommen einen integrierten Starter-Generator mit 17 kW.
Die S-Klasse setzt wieder auf vertrauten Luxus. Aber der eigentliche Kampf im Inneren geht längst nicht mehr um Holz und Leder. Er geht darum, wessen digitales System am längsten aktuell bleibt. Und das, so scheint es, ist erst der Anfang.