Chevrolet hat aufgehört zu warten. Seit dem 17. Juni 2026 ist der Captiva EV in Brasilien kein chinesischer Import mehr — das Elektro-SUV wird jetzt direkt vor Ort gebaut, im Werk Comexport Planta Automotiva do Ceará (PACE) im Bundesstaat Ceará. Für GM ist das bereits der zweite vollelektrische Chevrolet aus lokaler Fertigung nach dem Spark EUV. Und es ist ein klares Signal: Die Amerikaner haben es satt, das Feld kampflos zu räumen.
Der Clou liegt nicht im bloßen Werkswechsel zur Schau. Bisher kam der Captiva EV per Schiff aus China nach Brasilien, mit allen Verzögerungen, die dazugehören. Die Importversion startete im November 2025 und führte das Segment der Mittelklasse-Elektro-SUV bis zum ersten Quartal 2026 an — wann immer es genug Autos gab. Jetzt soll der Nachschub stabil bleiben. Die ersten Fahrzeuge sind bereits vom Band gelaufen und gehen nach internen Qualitätskontrollen ins Händlernetz.
PACE arbeitet als externe Produktionsstätte unter GM-Kontrolle und ging erst im Dezember 2025 in Betrieb — weniger als ein halbes Jahr vor dem zweiten Modell. Der Ausbau für den Captiva EV hat die Belegschaft um rund 50 % erhöht, eine dritte Schicht läuft bereits. Brasilien ist damit das erste Land außerhalb Chinas, das gleich zwei elektrische Chevrolet-Modelle baut. Die Logik ist simpel und mutig: Man nimmt fertige chinesische Chevrolet-Stromer, liefert sie als Baukästen und montiert sie näher am Käufer.
Der Captiva EV kostet in Brasilien rund 199.990 Real — etwa 38.800 US-Dollar zum aktuellen Kurs. Für das Geld bekommt der Kunde ein mittelgroßes Elektro-SUV mit Frontantrieb, 201 PS, 310 Nm und einer 60-kWh-LFP-Batterie. Die Reichweite liegt bei 304 km nach brasilianischem Inmetro-Zyklus, über 400 km nach internationalen Zyklen. Das ist kein Premium-Stromer, sondern der Versuch, ein Elektro-SUV zur normalen Familienwahl zu machen.
Die Strategie erklärt Thomas Owsianski, Chef von GM South America: Das Unternehmen bringt die Produktion näher an die Nachfrage, sobald neue Technologien kommerziell Gewicht bekommen. In Zahlen liest sich das so — im ersten Halbjahr 2026 führte Chevrolet das brasilianische Segment der Elektro-SUV an, und der Spark EUV wurde im Mai zum meistverkauften emissionsfreien Crossover des Landes. Diese Position jetzt den Chinesen zu überlassen, wäre fahrlässig.
Chevrolet denkt nicht daran, das Elektro-Segment kampflos den chinesischen Marken zu überlassen. BYD, GWM und andere haben brasilianische Käufer bereits an bezahlbare EVs und Hybride gewöhnt — mit reinem Import wird GM diese Runde nicht gewinnen. Die lokale Fertigung bringt Flexibilität bei Logistik, Volumen und Marketing — alles, was man braucht, um im Markttakt zu bleiben.
Und das ist erst der Anfang. Bis Ende 2026 will GM am gleichen Standort die Produktion eines dritten Modells starten — mit einer Technologie, die die Marke in Brasilien bisher nie angeboten hat. Comexport spricht bereits davon, die Werkskapazität möglicherweise auf 50.000 Fahrzeuge pro Jahr zu verdoppeln. Der Captiva EV zeigt: GM hat endlich gelernt, schnell zu handeln — ein fertiges Produkt dort zu nehmen, wo es schon existiert, und es dort zu bauen, wo die Leute bereit sind, es zu kaufen.