Fünf klassische Modellnamen, die gleichzeitig zwei völlig verschiedene Leben führten

Fünf klassische Modellnamen, die gleichzeitig zwei völlig verschiedene Leben führten
Mecum
Dmitry Yakin
Autor: Dmitry Yakin

Hornet, Dart, Monte Carlo, Diplomat, Fiesta — fünf Namen, die gleichzeitig zwei Leben auf verschiedenen Kontinenten führten. Die Geschichten dahinter sind verrückter, als man denkt.

Wussten Sie, dass auch Autos Namensdoppelgänger haben? Keine Verwandten, keine Plattformklone — reine Namensvettern, geboren auf verschiedenen Kontinenten unter völlig unterschiedlichen Philosophien. Autoevolution hat fünf solcher Paare aus amerikanischer und europäischer Klassik zusammengetragen: Wagen, die identische Schilder trugen und sonst nichts gemein hatten.

Der eindrucksvollste Fall? Hornet. Das britische Wolseley klebte den Namen schon 1930 auf eine leichte sechszylindrige Limousine und reanimierte ihn 1961 für eine luxuriösere Mini-Version. In den USA donnerte Hornet jedoch ganz anders los: 1951 bekam Hudson das Schild — und stürmte damit in die frühen NASCAR-Rennen. Niedriger Schwerpunkt, 5,0-Liter-Reihensechser — Sieg auf Sieg gegen weitaus stärkere V8.

Bei Dart wurde es richtig brenzlig. Chrysler hatte den Namen vorsorglich für Dodge gesichert. Als Daimler im April 1959 in New York stolz seinen Sportwagen namens Dart vorführte, kam das Ultimatum prompt. Die Briten mussten den Wagen auf der Stelle in SP250 umtaufen. Half es? Kaum. Das Publikum erinnert sich bis heute an den Daimler Dart. Währenddessen wuchs der Dodge Dart ab 1960 zu einer ganzen Modellreihe heran, mit den legendären Dragster-Waffen Max Wedge und HEMI Super Stock.

Monte Carlo — noch so eine Geschichte zweier Welten, die sich nie berührten. Chevrolet machte aus seinem Monte Carlo ab 1970 ein muskulöses personal-luxury Coupé. Lancia konterte mit dem mittelmotorigen Montecarlo — bewusst als ein Wort geschrieben, um sich keinen Streit mit den Amerikanern einzuhandeln. In den USA hieß die Italienerin schlicht Scorpion. Und jetzt das Beste: Genau diese „kleine Lancia“ verwandelte sich später in den Rallye-037 — jenes Geschoss, das die Gruppe B im Sturm nahm.

Diplomat? Ebenfalls Doppelleben. Bei Opel der Flaggschiff-Wagen — amerikanischer V8 unter der Haube, deutsche Würde im Innenraum. Bei Dodge der teurere Verwandte des Aspen, der bis 1989 durchhielt. Bei Fiesta drehte sich die Logik um: Lange bevor der europäische Ford-Kleinwagen erschien, gehörte der Name zwei Modellen von Oldsmobile — darunter ein limitiertes Cabriolet von 1953 mit nur 458 gebauten Exemplaren.

Heute sind solche Zufälle nicht mehr als Sammlerkuriositäten. Aber sie offenbaren etwas über die alte Autoindustrie: Namen wählte man nach Klang, Status, Bauchgefühl. An globale rechtliche Risiken dachte kaum jemand ernsthaft. Heute wird ein gutes Schild fast so akribisch geprüft wie eine Plattform oder ein Motor.

Und manchmal überlebt der Name das Auto selbst. Fiesta wurde Europas Volks-Kleinwagen. Dart blieb ein amerikanisches Mopar-Symbol. Und Hornet klingt bis heute schärfer und schneller als die Hälfte der modernen Indizes aus vier Buchstaben und einer Ziffer.

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