Tesla bleibt angeblich in China, doch volles FSD lässt weiter auf sich warten

Tesla bleibt angeblich in China, doch volles FSD lässt weiter auf sich warten
A. Krivonosov
Vlad Komarov
Autor: Vlad Komarov

Tesla wies Gerüchte über einen FSD-Rückzug aus China zurück und schaltete sogar die Polizei ein — doch 97 Tage nach der Ankündigung ist die volle Funktion für Kunden immer noch nicht freigeschaltet.

Statt das chinesische FSD-Projekt aufzugeben, kündigte Tesla plötzlich an, die Einstellungen dafür zu beschleunigen. Am 26. August dementierte das Unternehmen Berichte, wonach das Rechenzentrum in Shanghai geräumt, die zuständigen Teams abgezogen und Stellen gestrichen worden seien. Tesla China beliess es nicht bei einem einfachen Dementi – die Vorwürfe wurden sogar der Polizei gemeldet. Die Botschaft an First Financial war unmissverständlich: Das Zentrum arbeite ganz normal, die Personalsuche werde nicht gebremst, sondern beschleunigt.

Doch ein lautes Dementi ist noch kein Erfolg. Es bedeutet nicht, dass vollwertiges FSD tatsächlich bei chinesischen Kunden angekommen ist. Bereits am 21. Mai hatte Tesla China selbst in die Liste der FSD-Supervised-Märkte aufgenommen. Seither sind 97 Tage vergangen – und was ist dabei herausgekommen? Der chinesische Konfigurator für Model 3 und Model Y bietet weiterhin nur das Paket Tesla Assisted Driving für 64.000 Yuan an, mit dem klaren Hinweis, dass der volle Funktionsumfang erst später folgt. Die Freischaltung künftiger Funktionen hänge, warnt das Unternehmen selbst, von der weiteren Entwicklung und von behördlichen Genehmigungen ab.

Ein seltsamer Widerspruch: Die Infrastruktur wird nicht zurückgefahren, doch der kommerzielle Start bleibt unvollendet. Bereits im Februar hatte Tesla ein lokales KI-Trainingszentrum in Betrieb genommen, um die Fahrassistenzsysteme mit chinesischen Daten zu trainieren. Im April räumte Finanzchef Vaibhav Taneja ein, dass die umfassendere behördliche Genehmigung noch aussteht – das Unternehmen aber hoffe, sie im dritten Quartal 2026 zu erhalten.

Es gibt noch ein weiteres aufschlussreiches Detail: Auf der aktuellen Tesla-Seite mit den Märkten, in denen das monatliche FSD-Supervised-Abo verfügbar ist, taucht China gar nicht auf. Tesla betont zudem ausdrücklich, dass das derzeitige System die ständige Aufmerksamkeit des Fahrers erfordert und das Auto nicht autonom macht.

Der eigentliche Prüfstein ist damit ziemlich eindeutig – und er hat nichts mit der Mitarbeiterzahl in Shanghai zu tun. Entscheidend ist, ob Tesla tatsächlich die umfassendere Genehmigung erhält und die volle Funktion endlich für chinesische Kunden freischaltet. Sollte die im dritten Quartal gesetzte Frist tatsächlich Bestand haben, bleibt bis zu ihrem Ablauf nur noch gut ein Monat.

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