Das hat keiner kommen sehen: Lynk & Co tauscht rohe Beschleunigung gegen Reichweite. Der elektrische Z20, in Exportmärkten als 02 verkauft, wurde grundlegend überarbeitet. In China kommt der aktualisierte Wagen bereits als Lynk & Co 20 auf den Markt, und der Fokus verschiebt sich von maximaler Dynamik hin zu Reichweite, Schnellladen und Fahrassistenzsystemen. Verkaufsstart ist im September 2026.
Die größte Änderung steckt unter dem Blech. Der neue Elektroantrieb von Geely vereint 16 Komponenten in einem einzigen Modul, setzt auf Siliziumkarbid-Leistungselektronik und leistet 245 kW — rund 333 PS. Der angegebene Gesamtwirkungsgrad erreicht 93,8 %. Der Antrieb bleibt heckgetrieben, der Sprint auf 100 km/h dauert 6,4 Sekunden.
Und hier kommt das Paradox: Rein dynamisch betrachtet ist das ein Rückschritt. Der bisherige Top-Z20 mit seinem 250-kW-Motor schaffte den Sprint auf die „Hundert“ in 5,3 Sekunden — schneller als der Nachfolger. Dafür bekommt der Lynk & Co 20 eine 800-Volt-Architektur und 6C-Laden mit bis zu 460 kW. Der Hersteller verspricht nur 12 Minuten für die Ladung von 10 auf 80 % — gegenüber rund 15 Minuten beim heutigen Z20. Die Reichweite steigt zugleich von bisher 430–530 auf 545 oder 630 km nach dem chinesischen CLTC-Zyklus. Den veröffentlichten Daten zufolge stecken dahinter Akkus mit rund 61,5 und 70 kWh.
Alle Versionen erhalten zudem Lidar und das System Qianli Haohan H5 mit Stadt- und Autobahn-Assistenten. Im Innenraum gibt es weniger Umbruch. Der große zentrale Touchscreen, das schmale digitale Kombiinstrument und das Head-up-Display bleiben erhalten. Neu gestaltet wurden dagegen die Lüftungsdüsen, der Mitteltunnel und die Bedienung der Nebenfunktionen. Hinzu kommen physische Tasten, eine gekühlte 50-Watt-Induktivladestation — und ganz gewöhnliche mechanische Türgriffe.
Gerade diese letzte Änderung ist bezeichnend. Chinas verbindliche Norm GB 48001-2026 schreibt mechanisches Öffnen der Türen von innen und außen vor und tritt am 1. Januar 2027 in Kraft. Der Verzicht auf rein elektronische Griffe beim neuen Modell ist keine Design-Laune, sondern eine direkte Reaktion auf die sich ändernden Sicherheitsanforderungen des chinesischen Marktes.
Einen Preis für den Lynk & Co 20 gibt es noch nicht. Zur Einordnung: Der aktuelle Z20 wird in China im August offiziell ab 109.900 Yuan angeboten — umgerechnet etwa 13.800 Euro. Diese Zahl lässt sich aber nicht einfach auf das neue Modell übertragen — der 20 bringt deutlich mehr teure Technik mit: 800 V, 6C, Lidar und einen neuen Antrieb. Erst der Septemberpreis wird zeigen, ob Lynk & Co einen derart umfassenden Umbau ohne spürbaren Aufpreis geschafft hat.