Während der Rest der Welt in elektrische Stille beschleunigt, hat tatsächlich jemand wieder einen Saug-V10 mit Handschaltung zusammengeschraubt. Und das war kein Werk — sondern ein Händler.
Das US-amerikanische Autohaus Miller Motorcars aus Connecticut hat seinen 50. Geburtstag so begangen, wie es nur echte Überzeugungstäter tun — mit einem eigenen Supersportler. Das Ding heißt JC9 und basiert auf einem Porsche Carrera GT. Nur sehen kann man das von außen kaum.
Hinter dem Projekt steckt Jason Castriota — ein Designer mit einer Vita, die man sich an die Wand hängt. Ferrari P4/5, Maserati Birdcage 75th, SSC Tuatara, Bertone Mantide. Der JC9 ist sein neuntes großes Automobilprojekt, daher der Name. Die komplette Karosserie besteht aus Karbon, und die Silhouette katapultiert einen ein halbes Jahrhundert zurück — direkt zu den Renn-Porsches, allen voran zum legendären 917K, der Le Mans 1970 und 1971 gewann. Deshalb wirkt der JC9 nicht wie ein getunter Carrera GT. Er wirkt wie ein vergessener Werksprototyp, der vor fünfzig Jahren aus Stuttgart hätte rollen können.
Das eigentliche Geheimnis steckt aber im Innenraum. Tür auf — und schon ist der Carrera GT wieder da. Instrumente, Luftauslasse, Mittelkonsole, die ganze Architektur des Cockpits — alles vorhanden. Auch das Lenkrad ist vertraut, nur ohne Porsche-Emblem.
Die Technik kommt laut Mitteilung ebenfalls direkt vom Spender. Der 5,7-Liter-Saug-V10 und das 6-Gang-Handschaltgetriebe — genau jene Kombination, die den Carrera GT bis heute zu einem der letzten echten analogen Supersportler macht. Im Original leistete der Motor 603 PS. Ob beim JC9 etwas mehr drin ist, sagt niemand — ehrlich gesagt braucht es auch keine Mehrleistung.
Der JC9 wurde als Einzelstück auf der Jubiläumsveranstaltung von Miller Motorcars präsentiert — neben anderen Castriota-Entwürfen. Offiziell hat Porsche mit der Sache nichts zu tun. Und genau darin liegt der Reiz: Jemand hat einen ikonischen Carrera GT genommen und daraus ein Auto gemacht, das Stuttgart selbst nie gebaut hat.